HPV-Impfung
Wie viel wissen Sie über die HPV-Impfung?
Eine HPV-Impfung schützt mit hoher Sicherheit vor Krebs und seinen Vorstufen an Gebärmutterhals, After, im Genitalbereich und im Mund-Rachen-Raum.
Der HPV-Impfstoff hat keine Nebenwirkungen.
Die HPV-Impfung ist vom RKI (Robert Koch Institut) für Jugendliche (Jungs und Mädchen) zwischen 9 und 17 empfohlen.
Was ist die HPV-Impfung?
Die HPV-Impfung schützt vor Infektionen mit bestimmten HPV-Typen, die mit verschiedenen Krebsarten (wie Gebärmutterhals-, Rachen- oder Analkrebs) in Verbindung stehen.
In Deutschland gibt es zwei Impfstoffe: Cervarix® und Gardasil® 9, der gegen neun HPV-Typen wirkt. Beide Impfstoffe schützen vor den wichtigsten Hochrisiko-Typen HPV 16 und HPV 18. Gardasil® 9 ersetzt seit 2017 den Vierfachimpfstoff Gardasil®.
Informieren Sie sich zu den Impfempfehlungen des RKI
Jetzt informierenIn welchem Alter soll geimpft werden?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Nachholimpfungen sind bis zum 17 Lebensjahr möglich. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.
Warum diese Altersempfehlung?
Die Impfung wird früh empfohlen, da die Ansteckung bereits beim ersten sexuellen Kontakt möglich ist, und viele junge Menschen früh sexuell aktiv sind. Die Immunantwort auf die Impfung ist bei jüngeren Personen stärker und effektiver.
Impfung für Erwachsene
Auch für Männer und Frauen über 17 Jahren sind die Impfstoffe zugelassen, jedoch müssen sie die Impfung in der Regel selbst bezahlen. Eine Ausnahme bildet die Impfung nach Behandlung einer Krebsvorstufe am Gebärmutterhals (Postkonisationsimpfung). Sie wird von vielen Krankenkassen bezahlt.
Es lohnt sich, bei der Krankenkasse nach einer möglichen Kostenübernahme zu fragen.
Impfabstand und Anwendung
- Jungen und Mädchen bis 14 Jahre erhalten zwei Impfungen im Abstand von 5 bis 13 Monaten.
- Ab 15 Jahren und bei zu kurzem Impfabstand sind drei Impfungen erforderlich.
Die Impfung erfolgt in den Oberarm oder Oberschenkel. Alle Impfungen sollten idealerweise mit dem gleichen Impfstoff durchgeführt werden.
Sie möchten mehr Informationen zur HPV-Impfung?
Jetzt mehr erfahrenBeispielstudien zur Impfempfehlung
- D’Addrio et al. (2017)1: Zwei Impfdosen gegen HPV geben Jugendlichen einen ausreichenden Schutz.
- Harder et al. (2018)2: Auch Jungen profitieren von der HPV-Impfung – Sie schützt vor bestimmten Krebsarten und senkt die Virusausbreitung insgesamt.
- D’Addario, M., Redmond, S., Scott, P., Egli-Gany, D., Riveros-Balta, A. X., Restrepo, A. M. H., & Low, N. (2017). Two-dose schedules for human papillomavirus vaccine: Systematic review and meta-analysis.Vaccine, 35(22), 2892–2901. https://doi.org/10.1016/j.vaccine.2017.03.096
- Harder, T., Wichmann, O., Klug, S. J., Van Der Sande, M. a. B., & Wiese-Posselt, M. (2018). Efficacy, effectiveness and safety of vaccination against human papillomavirus in males: a systematic review.BMC Medicine, 16(1). https://doi.org/10.1186/s12916-018-1098-3
Wo kann ich mein Kind impfen lassen?
Niedergelassene Fachärztinnen und -ärzte können gegen HPV impfen.
Dazu gehören z.B. Kinder-, Haus- und Frauenärzte.
Wie wirksam ist die HPV-Impfung?
Die HPV-Impfung ist sehr wirksam, schützt vor den häufigsten krebserregenden HPV-Typen und verringert das Risiko für Gebärmutterhalskrebs und andere HPV-bedingte Tumoren, ersetzt jedoch nicht die regelmäßige Teilnahme an der Früherkennung.
Schutz für Mädchen und Frauen
- Die HPV-Impfung verringert das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen zu erkranken, um fast 90 %, wenn Mädchen früh geimpft werden.
- Auch geimpfte Frauen sollten regelmäßig an den Früherkennungsuntersuchungen beim Frauenarzt teilnehmen, da die Impfung nicht vor allen HPV-Typen schützt, die Krebs verursachen können.
90%
Schutz für Jungs und Männer
- Erste Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Impfung auch bei Jungen und Männern das Risiko von Genitalwarzen, HPV-bedingten Tumoren und deren Vorstufen verringern kann.
- Außerdem schützen geimpfte Jungs und Männer ihre Sexualpartner*innen gegen eine HPV-Infektion.
Herdenimmunität
Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto mehr sinkt die Verbreitung von HPV in der Bevölkerung. Dies schützt auch Ungeimpfte, da die Viren sich schlechter ausbreiten können.
Beispielstudien zur Wirksamkeit der Impfung
- Arbyn et al. (2018)1: Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass prophylaktische HPV-Impfungen wirksam gegen Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen sind.
- Bergman et al. (2019)2: Vergleich verschiedener HPV-Impfstoffe und Impfschemata zur Prävention HPV-bedingter Erkrankungen bei Frauen und Männern.
- Drolet et al. (2019)3: Meta-Analyse zeigt signifikante Bevölkerungseffekte und Herdenschutz durch HPV-Impfprogramme.
- Lei et al. (2020)4: Bevölkerungsbasierte Studie aus Schweden belegt ein deutlich reduziertes Risiko für invasiven Gebärmutterhalskrebs nach HPV-Impfung.
- Falcaro et al. (2021)5: Beobachtungsstudie zur englischen Impfkampagne zeigt deutliche Rückgänge bei hochgradigen zervikalen Läsionen und Krebsfällen.
- Arbyn, M., Xu, L., Simoens, C., & Martin-Hirsch, P. P. (2018). Prophylactic vaccination against human papillomaviruses to prevent cervical cancer and its precursors.The Cochrane database of systematic reviews, 5(5), CD009069. https://doi.org/10.1002/14651858.CD009069.pub3
- Bergman, H., Buckley, B. S., Villanueva, G., Petkovic, J., Garritty, C., Lutje, V., Riveros-Balta, A. X., Low, N., & Henschke, N. (2019). Comparison of different human papillomavirus (HPV) vaccine types and dose schedules for prevention of HPV-related disease in females and males.The Cochrane database of systematic reviews, 2019(11), CD013479. https://doi.org/10.1002/14651858.CD013479
- Drolet, M., Bénard, É., Pérez, N., Brisson, M., & HPV Vaccination Impact Study Group (2019). Population-level impact and herd effects following the introduction of human papillomavirus vaccination programmes: updated systematic review and meta-analysis. Lancet (London, England), 394(10197), 497–509. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)30298-3
- Lei, J., Ploner, A., Elfström, K. M., Wang, J., Roth, A., Fang, F., Sundström, K., Dillner, J., & Sparén, P. (2020). HPV vaccination and the risk of invasive cervical cancer.New England Journal of Medicine, 383(14), 1340–1348. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1917338
- Falcaro, M., Castañon, A., Ndlela, B., Checchi, M., Soldan, K., Lopez-Bernal, J., Elliss-Brookes, L., & Sasieni, P. (2021). The effects of the national HPV vaccination programme in England, UK, on cervical cancer and grade 3 cervical intraepithelial neoplasia incidence: a register-based observational study.Lancet (London, England), 398(10316), 2084–2092. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)02178-4
Wie sicher ist die HPV-Impfung?
Die HPV-Impfung ist sehr sicher.
Häufig auftretende Nebenwirkungen sind mild und vorübergehend. Ein erhöhtes Risiko für langfristige schwere unerwünschte Wirkungen konnten in den systematischen Bewertungen nicht nachgewiesen werden.
Der Impfstoff wurde weltweit über 270 Millionen Mal ohne Langzeitnebenwirkungen verabreicht – das entspricht mehr als drei Mal der Gesamtpopulation Deutschlands.



Häufige kurzfristige milde Nebenwirkungen
- Lokale Reaktionen an der Einstichstelle: Schwellungen, Rötungen, Schmerzen
- Kreislaufreaktionen: Schwindel, das Gefühl des „Schwarzwerdens vor Augen“
Diese Reaktionen sind jedoch kurzfristig und ähnlich wie bei anderen Impfungen, etwa der Auffrischung der Tetanus- Diphtherie-Pertussis-Polio-Impfung. Aus Angst oder Stress im Zusammenhang mit der Impfung können Kreislaufreaktionen auftreten, weshalb die Impfung nicht im Stehen durchgeführt werden sollte.
Keine langfristigen schweren Nebenwirkungen
In Internetforen kursieren Gerüchte über einen möglichen Zusammenhang zwischen der HPV-Impfung, Todesfällen und dem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) sowie dem posturalen orthostatischen Tachykardiesyndrom (POTS). Nach sorgfältigen Untersuchungen konnte allerdings kein statistisch signifikanter Zusammenhang mit der HPV-Impfung festgestellt werden. Das bedeutet, dass ein Zusammenhang nicht nachgewiesen ist.
Studien zur Sicherheit und Sicherheitsbewertung
Verlässliche Quellen zur Impfstoffsicherheit vom Paul Ehrlich Institut (PEI) und dem Robert Koch Institut (RKI):
- PEI Bulletin zur Arneimittelsicherheit (Ausgabe 3/2018) : Zusammenfassung aktueller Sicherheitsdaten zu HPV-Impfstoffen
- PEI-Analyse zum Sicherheitsprofil (2015) : Auswertung durch die EMA, kein Hinweis auf CRPS oder POTS im Zusammenhang mit der HPV-Impfung
- PEI-Stellungnahme zu Verdachtsfällen (2008) : Untersuchung eines Einzelfalls mit dem Ergebnis – kein kausaler Zusammenhang mit der Impfung
- RKI – Häufige Fragen zur HPV-Impfung : Offizielle Antworten zu Wirkung, Sicherheit, Zielgruppen und Impfempfehlungen
Wie funktionieren Impfungen?
Impfungen enthalten abgeschwächte oder abgetötete Krankheitserreger, die das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregen, ohne die Krankheit auszulösen.
Nach einer Impfung speichert das Immunsystem die Merkmale der Erreger in sogenannten Gedächtniszellen. Bei erneutem Kontakt kann es die Erreger schneller bekämpfen.
Es gibt zwei Ansätze: Bei der aktiven Immunisierung wird das Immunsystem durch Impfstoffe selbst zur Bildung von Antikörpern angeregt, was langfristigen Schutz bietet. Bei der passiven Immunisierung werden fertige Antikörper verabreicht, die sofort wirken, aber nur für kurze Zeit schützen.
Es gibt verschiedene Impfstofftypen: Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, aber vermehrungsfähige Erreger; Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder Teile davon; und genetische Impfstoffe wie mRNA-Impfstoffe enthalten den Bauplan für Erregerproteine, um das Immunsystem zur Abwehr zu stimulieren.
